Mittwoch, 2. Mai 2012

vom feminismus

oft höre ich in diskussionen oder alltags-gesprächen den begriff des feminismus. er begegnet mir meistens in abwertender form. "du alte feministin!" ist einer der aussprüche, die ich mir anhören muss. ich schreibe "muss", denn jedesmal, nachdem eine solche äußerung gefallen ist, frage ich mich: soll ich darauf stolz oder beleidigt sein, es als selbstverständlich annehmen oder irritiert werden? zur irritation reicht es leider schon. das hat jedoch nichts damit zu tun, dass ich nicht als feministin dargestellt werden möchte. daher dieser text.

ich finde es eigentlich verrückt, dass der feminismus eine so negative assoziation bei vielen hat. denn was würden wir heute ohne die feministinnen von damals und heute machen? wie würden wir ohne eine engagierte frauenbewegung leben? wie würden wir denken?

warum aber gibt es diese negative komponente des feminismus-begriffes? und warum begegnen mir männer und frauen gleichermaßen damit, es wie eine beschimpfung einzusetzen? wenn sich beispielsweise eine frau nicht die beine rasieren mag. oder wenn sie leidenschaftlich fußball spielt. wir beschweren uns über die unglaublich hohen erwartungen, die heutzutage an uns gestellt werden, auch bezüglich unserer geschlechtlichen identität. aber an wen richtet sich unsere beschwerde? wir selbst sind die gesellschaft, die werte prägt. wenn jemand etwas ändern kann, dann wir. und das handeln beginnt im kopf, immer.

mich ärgert, wenn frauen sich selbst unterordnen, um "geliebt" zu werden. mich ärgert, wenn frauen tätigkeiten des haushalts ganz selbstverständlich übernehmen. mich ärgert, wenn frauen einen kumpel anrufen, der das fahrrad repariert, anstatt es selbst zu versuchen. diese beispiele klingen zum teil banal, zum teil absurd. ich erlebe und sehe sie ständig. ich nehme sie bei vielen frauen und mädchen in meinem bekanntenkreis wahr. ja es stimmt: wir leben in einer männerdominierten welt. trotzdem sind es nicht die männer, die alle regeln bestimmen. wenn ich als frau eine rolle übernehme, die ich mir selbst zuteile, wird es für mich schwer, mich über die rolle beschweren. sie zu hinterfragen und zu brechen ist ein ziel des feminismus. wahrscheinlich gilt es für jede einzelne, den feminismus neu zu überdenken. denn für mich hat feminismus auch nichts damit zu tun, fan von alice schwarzer zu sein. deren zeitschrift emma hat aus meiner sicht nichts feministisches, sondern ist zum teil männerverachtend und entspricht damit dem gegenteil. inspirierend sind solche seiten wie das blog mädchenmannschaft (blog), das ich hier nur weiterempfehlen kann. es bezieht sich bei der definition des begriffes auf die encyclopedia britannica, die besagt, dass feminismus “the belief in the social, economic, and political equality of the sexes” ist. es geht also vorrangig darum, sich für die soziale, wirtschaftliche und politische gleichheit von männern und frauen einzusetzen. nach dieser deninfition ist fast jede und jeder in meinem bekanntenkreis ein feminist bzw. eine feministin.

in zukunft sollte ich über äußerungen wie "du alte feministin" lächeln. und sagen: "du doch auch".

p.s. mir ist bewusst, dass der feminismus viele einzelne ausprägungen und richtungen kennt. die einzelnen aspekte genauer zu beleuchten, erschien mir für diesen text zu ausführlich, da es mir um den allgemeinen gebrauch des begriffes "feminismus" geht. es sei mir verziehen.

Kommentare:

  1. "deren zeitschrift emma hat aus meiner sicht nichts feministisches, sondern ist zum teil männerverachtend und entspricht damit dem gegenteil. inspirierend sind solche seiten wie das blog mädchenmannschaft"

    Einige Ansichten von Autoren der Mädchenmannschaft finde ich ebenfalls männerfeindlich, lantzschi Ansichten zB das Männer quasi keine Mitspracherechte haben, was Gleichberechtigung angeht.
    Der poststrukuralistische Genderfeminismus, insbesondere mit den Privilegientheorien baut schon ein gewisses Feindbild Mann auf.
    Ich würde mir wünschen, dass das etwas

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  2. "mich ärgert, wenn frauen einen kumpel anrufen, der das fahrrad repariert, anstatt es selbst zu versuchen."

    Das will ich jetzt überlesen haben :)

    Es ist doch aber so, dass manche Menschen etwas besser können als andere. Ich frage dich ja z.B. auch wie ich einen Satz am besten formuliere, weil du es einfach besser kannst als ich. Und ich repariere eben Fahrräder oder Betten besser. So ist das nun mal.

    Gruß
    Christian :)

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  3. Hallo Johanna,

    zuerst einmal war ich überrascht über das Eingeständnis in Bezug auf Alice Schwarzer und Emma. Danke erst einmal dafür.

    Du stellst in dem Beitrag die Frage wie es zu der negativen Konotation des Feminismus-Begriffs kommt. Zwei Faktoren könnten hierbei durchaus eine Rolle spielen. Zum Einen aggressives, vielleicht durch Emotionalität bedingtes, Verhalten vieler Feministinnen in Verbindung mit Argumentation in der bestimmten Feministischen Kreisen eigenen Sprache die von außenstehenden erst einmal nicht verstanden wird. Zum Zweiten erlebe ich es als Mann oft so, das nicht der problemlösende Dialog gesucht oder kreative Kritik geübt wird sondern sofort versucht wird den anderen "Platt zu machen" - und ja, jemanden als Sexist und Macho zu bezeichnen ist eine harte Anschuldigung in "normalen" Kreisen.

    Hinzu kommt das sehr viele Menschen generell sehr schlecht mit Kritik umgehen können und eine Kritik an einer Einzelenen Handlung / Aussage / Verhaltensweise sofort als Kritik an der gesamten Person verstanden wird.

    Gruß

    Max

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  4. Den sog. "Feminismus" habe ich bereits in seiner Anfangszeit in den 70ern als hoechst aggressiv, gemein und boesartg Maennern gegenueber erlebt.
    Was also ist falsch daran, Feminismus als genau das zu bezeichnen, was er ausdrueckt: Machtspiel und Hass gegen Maenner.
    Gleichberechtigung hat nichts mit Feminismus zu tun.

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